Eine ungewöhnliche Firmengeschichte

Vom einstigen Hufschmied zum Schweißfachmann

Teisnach Die Firma „Edelstahl-Stern“ ist nicht nur in Teisnach, sondern im weiten Umfeld ein Begriff. Wohl die wenigsten wissen, dass dieses Unternemen eine außergewöhnliche Geschichte: über 300 Jahre Familientradition. Der bekannte Heimatforscher Prof. Dr. Reinhard Haller hat die Firmengeschichte zurückverfolgt. Selbst wenn die Namen und Orte im Lauf der Zeit wechseln, das Metier ist über 300 Jahre lang das selbe geblieben: Es heißt „Metallbearbeitung“ und reicht von einer Berg- und Hufschmiede über eine Huf- und Wagenschmiede bzw. eine Schlosserei bis hin zur heutigen Firma „Stern Edelstahl GmbH“.

Anfänge in Bodemais

In Bodenmais lässt sich im Jahre 1701 der Berg- und Hufschmied Georg Haller aus Arrach nieder. Er kauft am 22. Februar des selben Jahres um 200 Gulden die Bergschmiede des Caspar Röck, versieht die Eisenarbeit des Kurfürstlichen Berg- und Hüttenwerkes, ist dazu noch Hofwirt und widmet sich nebenher dem Leinwand-, Glas- und Vitriolhandel sowie der Flusssiederei. Seine Schmiedewerkstatt befindet sich am Marktplatz 13, ehemals „Cafè Gaißl“, heute Hagengruber. Aber was hat das mit den Sterns in Teisnach zu tun?

Vieles! Denn Hallers Tochter Anna Maria ehelicht den Schmied Dionys Schmaus und dieser übernimmt nach seines Schwiegervaters Tod am 22. Juli 1732 dessen Schmiedstatt, um sie später an den Sohn Karl Schmaus zu ererben. Nachdem aber das „Schmiedhaus“ 1811 abgebrannt ist und die notwendigen Mittel zum Wiederaufbau fehlen, übergibt Karl Schmaus seine „Leibtumsschmiede“ an den Schwiegersohn, den Schmid Andreas Stern, der sie am 06. Mai 1823 gegen den Kramerladen des Georg Koller, heute Anton Kronschabl, vertauscht. Die Schmiede an der Teisnacher Straße 1 wird bis weit in das 20. Jahrhundert herein Bestand haben.

Eine entscheidende Veränderung tritt am 30. Januar 1834 ein. Jetzt nämlich veräußert Andreas Stern seinen Bodenmaiser Besitz an den Schmied Xaver Köppl. Andreas Sohn, Joseph Stern, ehelicht die Schmiedstochter Maria Katharina Mayer von Teisnach und wird dort sesshaft. Die quasi “ erheiratete“ Hufschmiede hatte der am 17. Juni 1791 in Teisnach geborene Vater der Braut, der Schmied Vitus „Maier“, am 03.Juli 1819 von seinem Stiefvater Georg Zißelsberger und der Mutter Maria Anna gegen eine Zahlung von 900 Gulden übernommen.

Die erste Schmiede

Es handelt sich dabei um die erste, in Teisnach existente Schmiede. Sie firmierte im Liquidationsprotokoll von 1838 noch unter den Hausnummern 35 und 36 als das “ 1/8 Kaiserschmiedgütl“ worauf eine reale Schmiedgerechtsame ausgeübt wird“. Dieses Anwesen am späteren „Hochfeld 13“ besteht aus einem Wohnhaus mit „Bschlagbruck“ (=Vorrichtung zum Beschlagen der Pferde), dazu einem Stall, Stadt und Hofraum. Zu den Gebäude zählt ein Wurz- und Grasgarten mit Backofen sowie der „Lindenacker“, das “ Obere Hasenbühlackerl mit Graisrain“, das „Untere Hasenbühlackerl“ und der “ Hundsruckacker“. Die meisten der Handwerker besorgen damals eine kleine Nebenerwerbslandwirtschaft, die ihnen das Auskommen sichern soll. Auch Joseph Sterns Söhne Karl und Josef wenden sich dem Schmiedehandwerk zu. Als „Geprüfter Huf- und Wagenschmiedmeister“ führen sie den schrittweise expandierenden Betrieb weiter. Das macht einen anderen Standort notwendig. Josef Stern lässt deshalb 1895 am Gstadthof 12 unweit der 1900 erbauten Teisnacher Pfarrkirche ein Haus mit Werkstatt einrichten, die danach vom Sohn Franz, einem der elf Stern-Kinder, von der bisherigen folgerichtig um eine Schlosserei erweitert wird. Man geht mit der Zeit.

Gegenwart

Linden/Teisnach. Für die traditionsreiche Firma Stern Edelstahl GmbH hat mit dem Jahr 2011 eine neue Ära begonnen. Seit Januar sind Produktion und Verwaltung vom Gstadthof in Teisnach in das neue Betriebsgebäude im Gewerbegebiet Linden umgezogen, wo sich dem innovativen Unternehmen beste Entwicklungsmöglichkeiten bieten. „Wir haben eine wichtige Entscheidung für die Zukunft unseres Unternehmens getroffen“, sagt Geschäftsführer Franz Stern (50), der zusammen mit Florian Rabenbauer (26) die im Vorjahr gegründete Stern Edelstahl GmbH führt. Der Standort direkt an der Bundesstraße 85 sei ideal und das neue Betriebsgebäude optimal auf die heutigen Anforderungen abgestimmt. Verantwortlich dafür war die Bielmeier Architektur-Ingenieurbau GmbH in Teisnach. „Einem modernen Unternehmen wie der Firma Stern wäre eine Standardhalle nicht gerecht geworden“, sagt Planer Werner Schierer. Schon allein die Fassade müsse für das Unternehmen werben und dies sei mit der Aufteilung in zwei getrennte, klare Baukörper wohl auch gelungen. Besonders attraktiv sind die Farbgestaltung und der Firmenname, die Schildgiebel mit waagrechtem oberen Abschluss geben der Fassade eine zeitgemäße Linie. Der moderne Neubau bildet einen extremen Kontrast zur Firmengeschichte, denn es dürfte im weiten Umkreis keinen Handwerksbetrieb mit einer so langen Tradition geben. Die beengten Platzverhältnisse am Gstadthof und die zunehmende Geschäftsausweitung brachten es mit sich, dass die Firma schon seit längerem nach einem neuen Standort suchte. Dieser wurde schließlich im neuen Gewerbegebiet der Gemeinde Geiersthal, direkt an der B 85 in Linden, gefunden. Im Juli 2010 war Baubeginn, noch im Dezember erfolgte der Umzug und seit Januar wird imneuen Haus gearbeitet. Firmenchef Franz Stern kann sich dabei auf seine Familie und ein eingespieltes Team verlassen. Neben seiner Gattin Gaby (46) wird er besonders unterstützt von Florian Rabenbauer, der schon mit 20 Jahren die Meisterprüfung ablegte und den Titel „Internationaler Schweißfachmann“ führen darf. Auch Sabrina Pfeffer gehört als Büroleiterin zum Führungsteam und Sohn Michael Stern, möchte sein Studium ebenfalls in diese Richtung lenken. Insgesamt beschäftigt die Stern Edelstahl GmbH derzeit 19 Leute. Im August werden zwei Lehrlinge als Konstruktionsmechaniker dazu kommen. Und auch das Leistungsspektrum ist beeindruckend. Stern Edelstahl empfiehlt sich als Ansprechpartner im Rohrleitungsbau und Anlagenbau für Kläranlagen, Wasser- und Abwasserbereich (Schachtabdeckungen, Einsteigleitern, Einsteighilfen, Pass- und Ausbaustücke, Regel- und Absperrorgane), Biogasanlagen, Kunststoffindustrie, Papierfabriken, Brauereien, Molkereien und Getränkeindustrie. Firmenleitung und Belegschaft freuen sich über ihren neuen Betrieb in Linden.

Quelle: PNP